Das Füllort Das Füllort

Das Füllort 

Die Grubenfahrt führt zum in Eisen und Ziegelstein ausgebauten oberen Füllort, einer Nahtstelle zwischen Gangstrecke und Schacht. Art und Funktion des Schachtausbaus mit Pumpenkunst und Fahrkunst (Die Fahrkunst ist eine Maschine zum Transport der Bergleute im Schacht (Ein- und Ausfahrt). Sie besteht aus 2 Gestängen an denen Haltegriffe und kleine Plattformen befestigt sind. Die Gestänge bewegen sich wechselseitig auf und ab. Der Bergmann besteigt eine Plattform und wird von Ihr mitgenommen. Beim Richtungswechsel des Gestänges muß der Bergmann die Seite wechseln um weiter in die gewünschte Richtung transportiert zu werden. Der Begriff Kunst wurde noch im 18. Jahrhundert allgemein für das noch nicht gebräuchliche Wort Technik benutzt. Eine Simulation kann man unter "Hintergrund" finden.), die Zweiteilung des Schachtes und die Tonnlägigkeit können hier noch einmal aus einem anderen Blickwinkel in Ruhe betrachtet werden. Die in Förderhunten aus den Abbauen herangeführten Erze wurden hier aus dem mit einer beweglichen Frontklappe versehenen Hunt in die Tonne gefüllt und im Treibschacht zu Tage getrieben. Der mit schwerem Erz gefüllte Hunt konnte vom Bergmann nur deshalb zum Entleeren angehoben werden, weil die wesentlich größeren vorderen Räder die Hebelwirkung erleichterten. Das Füllort diente auch dazu, über Tage eingehängtes Grubenholz und Gezähe der Bergleute in die Abbaue und zu den Erzhauern zu bringen.

Eine kleine Nische am Füllort sollte nicht übersehen werden. Gezähekiste, eine Joppe und der Frühstücksbeutel weisen auf ihre Bedeutung hin. Hier, an einem trockenen Ort, konnte sich der Bergmann in einer Arbeitspause ausruhen und eine "Liehschtunne" abhalten, wie man es im Oberharz nannte.

Die nächste Stelle zeigt eine spezielle Art des Abbaus, die Einblicke in die technischen Möglichkeiten der Gewinnung und Verarbeitung von Erzen, hier der Zinkblende (ZnS), in historischer Zeit erlaubt. Zwar war Zink als Metall den Persern bereits im 6. Jahrhundert n.Chr. bekannt, aber die Kenntnisse über die Technik der Gewinnung waren verlorengegangen. Daher ließ man die in den Erzgängen mit Bleiglanz (PbS) und Kupferkies (CuFeS2) vergesellschaftet vorkommende Zinkblende entweder stehen oder benutzte sie zum Verfüllen eines abgebauten Ganges. Erst 1743 wurde in England eine kleine Zinkhütte errichtet, und von einer Zinkindustrie kann man frühestens ab etwa 1820 sprechen.

Als in dieser Zeit das Verfahren zur Verhüttung der Zinkblende auch im Oberharz bekannt wurde, baute man in oberflächennahen Bereichen die im "Alten Mann" (im früheren Bergbau; in alten Bauen) als Versatz benutzte Zinkblende im Nachlesebergbau ab. Im Lockergestein wurde als spezielle Ausbauform der "Getriebestoß" benutzt. Dabei wurden mit einem schweren Hammer angespitzte Pfähle an den Wangen (Seiten) und an der Firste (Firste: Obere Begrenzungsfläche eines Grubenbaus. Beim Firstenbau (z. B. in einem Erzgang) das oberhalb des Abbauhohlraums anstehende Mineral, das demnächst abzubauen ist.) (Decke) hinter den Türstöcken in das Haufwerk eingetrieben. Das Haufwerk wurde gewonnen, und in einem Abstand von etwa einem Meter wurde ein neuer Türstock aufgestellt, um die Getriebepfähle abzufangen. So arbeitete sich der Bergmann unter dem Schutz des Getriebestoßes im lockeren Material voran, füllte es in einen Hunt und stürzte es in einen kleinen Schacht, die "Erzrolle", in die tiefer gelegene Hauptförderstrecke.

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