BetstubeBetstube

Die Betstube

Der Landesherr z.Zt. der Verkündung der Bergfreiheit (Bergfreiheit: Der Landesherr konnte bestimmte wirtschaftlich wichtige Mineralien für bergfrei erklären und damit ihre Gewinnung anregen. Ein bergfreies Mineral durfte jeder Finder sich aneignen – ohne Rücksicht auf den Grundbesitz. Vorausgesetzt war die Verleihung vonBergwerkseigentum.) für Zellerfeld im Jahre 1532, Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig und Lüneburg, war katholisch. Als er nach dem damals zwar noch nicht rechtsverbindlichen, aber durchaus üblichen Grundsatz "cuius regio eius religio" (verbindlich den Reichsständen im Augsburger Religionsfrieden 1555 zugesprochen) von den zugewanderten Bergleuten die Aufgabe des lutherischen und Annahme des katholischen Glaubens forderte, drohten diese mit dem Abzug. Bergleute aber waren gesuchte Fachkräfte, und so ließ er den Oberharzer Bergleuten ihren lutherischen Glauben.

Der Arbeitstag der Bergleute begann in früheren Zeiten um 4.00 Uhr morgens in der Betstube. Die Teilnahme an den Andachten, in denen nach einem Choralgesang ein meistens älterer, schriftkundiger Bergmann aus einem Andachtsbuch vorlas, war für jeden Bergmann - auch für den Steiger - Pflicht. Sie diente auch der Anwesenheitskontrolle. Um 5.00 Uhr war die Andacht beendet, und mit den Worten des Vorbeters: "Und nun laßt uns in Gottes Namen anfahren. Glück Auf!" fuhren die Bergleute in die Grube ein - in die Grube "Sarepta", "Josuha", "Erzengel Gabriel", Prophet Daniel", "St. Johannes Enthauptung". "Moses" usw.. Auch die Namen der Gruben, soweit sie nicht nach den Herrscherhäusern und deren Angehörigen benannt waren, sind Ausdruck der Frömmigkeit der Bergleute. In welcher Zeit der Wechsel von der ursprünglich jeden Morgen stattfindenden Andacht zur nur noch in einem wöchentlichen Rhythmus jeden Montag durchgeführten vor sich ging, ist urkundlich nicht genau belegbar.

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